Professur für Suchtforschung

Stiftungsprofessur des Bundesministerium für Bildung und Forschung
und des Freistaats Sachsen




Mitglieder der Arbeitsgruppe

Prof. Dr. Gerhard Bühringer 0351- 463- 39828 buehringer@psychologie.tu-dresden.de
Dr. Silke Behrendt 0351- 463- 39860 behrendt@psychologie.tu-dresden.de
Sarah Forberger, MA 0351- 463- 35288 forberger@psychologie.tu-dresden.de
Dipl.-Psych. Anja Kräplin 0351- 463- 39848 kraeplin@psychologie.tu-dresden.de
Dipl.-Psych. Anja Pixa 0351- 463- 39837 pixa@psychologie.tu-dresden.de
Dipl.-Psych. Katrin Neustadt 0351- 463- 39826 neustadt@psychologie.tu-dresden.de
Heike Vogler (Sekretariat) 0351- 463- 39827 vogler@psychologie.tu-dresden.de


Aufbau der Professur für Suchtforschung

Die im August 2005 eingerichtete Forschungsprofessur befasst sich mit grundlagen- und anwendungsbe zogener Studien zu Ätiologie, Verlauf und Behandlung von Substanzstörungen. Gemeinsames Thema ist die Analyse von Vulnerabilitäten, Risiko- und Schutzfaktoren, die die dabei zugrundeliegenden Prozesse beeinflussen: Warum entwickeln zum Beispiel - bei vergleichbarer Verfügbarkeit - manche Personen Substanzstörungen und andere nicht? Warum entwickeln sich Störungsprofile extrem unterschiedlich und warum ist die gleiche Therapieform bei verschiedenen Patienten unterschiedlich erfolgreich? Im Gegensatz zur häufig sehr isoliert ausgeübten Suchtforschung werden die Untersuchungen in enger interdisziplinärer Kooperation mit Vertretern der Allgemeinen Psychologie (Prof. Goschke), Klinischen Psychologie (Prof. Wittchen), Psychiatrie (Prof. Bauer, Dr. Schützwohl) und Systemischen Neurowissenschaften (PD Dr. Smolka) an der TU Dresden durchgeführt.

ASAT- Suchtforschungsverbund Sachsen/ Bayern (Förderung BMBF) (ASAT Verbund)

Gemeinsam mit Prof. Wittchen werden seit Einrichtung der Professur drei Studien zur (1) Behandlung von cannabisbezogenen Störungen (CANDIS), (2) zur Analyse der Substitutionsbehandlung in Deutschland (COBRA) und (3) zur Analyse von Einflussfaktoren auf Entwicklung und Verlauf von Substanzstörungen (EDSP) , in der letzten Studienphase insbesondere zur Inanspruchnahme von Versorgungseinrichtungen und zur Passung der Versorgungsangebote und des Hilfebedarfs (Dr. Perkonigg) durchgeführt. Der Verbund wird 2009 nach einer erfolgreichen Tätigkeit abgeschlossen, einzelne Forschungsthemen, wie die Analyse der EDSP- Daten zum Verlauf von Substanzstörungen werden weitergeführt (Dipl.-Psych. Behrendt). Im Mittelpunkt steht dabei die Untersuchung der Symptomentwicklung von Substanzstörungen in der Adoleszenz sowie die Untersuchung der Bedeutung von psychischen Störungen für spezifische Aspekte der Entwicklung von Substanzstörungen in dieser Lebensphase. Außerdem wird die Interaktion von Substanzen bzw. die Bedeutung multiplen Substanzkonsums in der Adoleszenz untersucht.

Untersuchungen zur Optimierung der therapeutischen Versorgung von Cannabis- und Heroinabhängigen (CANDIS)

Diese beiden Störungsgruppen stellen die größten Herausforderungen an die therapeutische Versorgung in Arztpraxen (Substitution von Heroinabhängigen) und Suchtberatungsstellen (Behandlung der stark zugenommenen Zahl von Cannabisabhängigen) dar. Gemeinsam mit Prof. Wittchen werden zwei Studien zum langfristigen Behandlungsverlauf von Heroinabhängigen (PREMOS) und zur Effektivität eines an der TU Dresden entwickelten Behandlungsprogramm (CANDIS, Dr. Hoch) unter Bedingungen der Routineversorgung durchgeführt (beide durch das BMG gefördert). Die in diesem Zusammenhang geführte Cannabisambulanz befasst sich unter anderem mit der Entwicklung einer CANDIS- Version für die Gruppenbehandlung.

Relevanz kognitiver Funktionseinschränkungen bei Entwicklung und Verlauf von Substanzstörungen

Dieser Forschungsschwerpunkt befasst sich mit der komplexen Interaktion von Emotion, Motivation und Volition bei Entwicklung und Verlauf von Substanzstörungen sowie mit den dabei wirksamen Prozessen (Mediatoren) und Einflussfaktoren (Moderatoren). Eine enge Zusammenarbeit erfolgt hier mit Prof. Goschke (Allgemeine Psychologie; Expertise im Bereich der Forschung zu kognitiven Kontrollprozessen) und Dr. Smolka (Neuroimaging Centre). In Pilotstudien werden Störungen der kognitiven Kontrolle am Beispiel von Nikotinkonsumenten und pathologischen Glücksspielern - als kontrovers diskutierte "nicht- stoffgebundene Abhängigkeit" - untersucht (Dipl.-Psych. Kufeld, Dipl.-Psych. Kräplin). Weiterhin sind Projekte im BMBF- geförderten Neuroimaging Centre in Vorbereitung, welche zusätzlich die neurobiologischen Korrelate kognitiver Kontrollprozesse bei abhängigen Personen untersucht werden. Das übergeordnete Ziel dieses Forschungsprogramms besteht darin, über ein besseres Verständnis der neurokognitiven Vermittlungsmechanismen, die dem Einstieg in die Abhängigkeit oder dem Rückfall nach Abstinenz zugrunde liegen, neue Ansatzpunkte für eine stärker individuell orientierte, wirksamere Prävention und Therapie zu finden

Kompetenznetzwerk Nikotinabhängigkeit

Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss einzelner Forschungseinheiten der Technischern Universität Dresden - Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie und Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum sowie des IFT Institut für Therapieforschung München (Prof. Bühringer, Prof. Wittchen, Dr. Hoch, PD Dr. Smolka, PD Dr. Kraus, Dr. Kröger). Die einbezogenen Projekte umfassen den gesamten Bereich der Forschung zur Nikotinabhängigkeit, von der ätiologischen Forschung und Epidemiologie einschließlich Neuroimaging über die Präventions- und Therapieforschung, die Versorgungsforschung bis zur Manualentwicklung für unterschiedliche Interventionsformen. Teil des Netzwerks ist die Raucherambulanz (Dipl.-Psych. Kufeld, Dipl.-Psych. Kling), eine gemeinsame Initiative der Professur für Suchtforschung, der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V. Die Rauchstoppkurse werden von zertifizierten Kursleitern durchgeführt und basieren auf dem überarbeiteten "Rauchfrei-Programm" des IFT Institut für Therapieforschung. Es ist in Deutschland das am weitesten verbreitete psychologische Programm zur Nikotinentwöhnung mit nachgewiesener Wirksamkeit. (0351- 463- 39800; rauchstopp@tu-dresden.de) Forschungsvorhaben im Rahmen der Raucherambulanz befassen sich mit der Effektivität des Programms, den Prädiktoren der Tabakabstinenz (Dipl.-Psych. Kufeld), sowie mit den neuronalen Systemen im menschlichen Gehirn, die die emotionalen, motivationalen und appetitregulierenden Wirkungen des Rauchens vermitteln (PD Dr. Smolka, Dipl.-Psych. Kling).

Netzwerk Pathologisches Glücksspielen

2009 soll die bisher bestehende Zusammenarbeit verschiedener Forschungsgruppen an der Charité Berlin (Prof. Heinz, Dr. Wrase) und der TU Dresden (Prof. Bühringer, Prof. Goschke, Dipl.-Psych. Kräplin), in Wien (Prof. Fischer) und des IFT Institut für Therapieforschung in München (PD Dr. Kraus) in einem Netzwerk enger koordiniert werden. Die Untersuchungen der beteiligten Gruppen umfassen den gesamten Bereich der Forschung zur Ätiologie und Verlauf der Störung, zur Prävention, Epidemiologie und Therapie.

European Postgraduate School for Addiction Research (ESADD)

Es besteht ein großer Bedarf qualitativ hoch stehender Forschung zu Substanzstörungen. Demgegenüber wird die universitäre Ausbildung sowie die Ausbildung junger Wissenschaftler in diesem Bereich in Europa stark vernachlässigt. Mit einer Förderung der Volkswagen- Stiftung wird seit 2008 das Konzept für ein europaweit ausgeschriebenes Ausbildungsprogramm für Doktoranden ausgearbeitet (Forberger, MA). Das erste zweijährige Pilotprogramm beginnt in März 2009 und umfasst unter anderen 6 Wochenkursen in Dresden unter Leitung führender Wissenschaftler aus der Suchtforschung. (www.di-uni.de)

Entwicklung eines Landessuchthilfeplans für den Freistaat Sachsen

Dieses Projekt ist Teil der Zielsetzung der Professur wissenschaftliches Fachwissen für die Verbesserung der Prävention und Behandlung in Sachsen zu nutzen. Die Erarbeitung des Plans für das Sächsische Staatsministerium für Soziales erfolgt in Kooperation mit Dr. Schützwohl (Arbeitsgruppe Versorgungsforschung, Entwicklung des Landespsychiatrieplans) und in Abstimmung mit Fachleuten und zuständigen sächsischen Gremien (zum Beispiel Landesstelle gegen Suchtgefahren, Landespsychiatriebeirat, Ärzte- und Psychotherapeutenkammer) ( Dipl.-Psych. Kufeld).