Professur für Suchtforschung
Stiftungsprofessur des Bundesministerium für Bildung und Forschung und des Freistaats Sachsen
Mitglieder der Arbeitsgruppe
Aufbau der Professur für Suchtforschung
Die im August 2005 eingerichtete Forschungsprofessur befasst sich mit grundlagen- und anwendungsbe
zogener Studien zu Ätiologie, Verlauf und Behandlung von Substanzstörungen. Gemeinsames Thema ist
die Analyse von Vulnerabilitäten, Risiko- und Schutzfaktoren, die die dabei zugrundeliegenden
Prozesse beeinflussen: Warum entwickeln zum Beispiel - bei vergleichbarer Verfügbarkeit - manche
Personen Substanzstörungen und andere nicht? Warum entwickeln sich Störungsprofile extrem
unterschiedlich und warum ist die gleiche Therapieform bei verschiedenen Patienten
unterschiedlich erfolgreich? Im Gegensatz zur häufig sehr isoliert ausgeübten Suchtforschung
werden die Untersuchungen in enger interdisziplinärer Kooperation mit Vertretern der
Allgemeinen Psychologie (Prof. Goschke), Klinischen Psychologie (Prof. Wittchen), Psychiatrie
(Prof. Bauer, Dr. Schützwohl) und Systemischen Neurowissenschaften (PD Dr. Smolka) an der TU
Dresden durchgeführt.
ASAT- Suchtforschungsverbund Sachsen/ Bayern (Förderung BMBF) (ASAT Verbund)
Gemeinsam mit Prof. Wittchen werden seit Einrichtung der Professur drei Studien zur (1)
Behandlung von cannabisbezogenen Störungen (CANDIS),
(2) zur Analyse der Substitutionsbehandlung
in Deutschland (COBRA) und (3) zur Analyse von Einflussfaktoren auf Entwicklung und Verlauf von
Substanzstörungen (EDSP)
, in der letzten Studienphase insbesondere zur Inanspruchnahme von
Versorgungseinrichtungen und zur Passung der Versorgungsangebote und des Hilfebedarfs
(Dr. Perkonigg) durchgeführt. Der Verbund wird 2009 nach einer erfolgreichen Tätigkeit
abgeschlossen, einzelne Forschungsthemen, wie die Analyse der EDSP- Daten zum Verlauf von
Substanzstörungen werden weitergeführt (Dipl.-Psych. Behrendt). Im Mittelpunkt steht dabei
die Untersuchung der Symptomentwicklung von Substanzstörungen in der Adoleszenz sowie die
Untersuchung der Bedeutung von psychischen Störungen für spezifische Aspekte der Entwicklung
von Substanzstörungen in dieser Lebensphase. Außerdem wird die Interaktion von Substanzen bzw.
die Bedeutung multiplen Substanzkonsums in der Adoleszenz untersucht.
Untersuchungen zur Optimierung der therapeutischen Versorgung von Cannabis- und Heroinabhängigen (CANDIS)
Diese beiden Störungsgruppen stellen die größten Herausforderungen an die therapeutische
Versorgung in Arztpraxen (Substitution von Heroinabhängigen) und Suchtberatungsstellen
(Behandlung der stark zugenommenen Zahl von Cannabisabhängigen) dar. Gemeinsam mit Prof.
Wittchen werden zwei Studien zum langfristigen Behandlungsverlauf von Heroinabhängigen
(PREMOS) und zur Effektivität eines an der TU Dresden entwickelten Behandlungsprogramm
(CANDIS, Dr. Hoch) unter Bedingungen der Routineversorgung durchgeführt (beide durch das BMG
gefördert). Die in diesem Zusammenhang geführte Cannabisambulanz befasst sich unter anderem
mit der Entwicklung einer CANDIS- Version für die Gruppenbehandlung.
Relevanz kognitiver Funktionseinschränkungen bei Entwicklung und Verlauf von Substanzstörungen
Dieser Forschungsschwerpunkt befasst sich mit der komplexen Interaktion von Emotion,
Motivation und Volition bei Entwicklung und Verlauf von Substanzstörungen sowie mit den dabei
wirksamen Prozessen (Mediatoren) und Einflussfaktoren (Moderatoren). Eine enge Zusammenarbeit
erfolgt hier mit Prof. Goschke (Allgemeine Psychologie; Expertise im Bereich der Forschung zu
kognitiven Kontrollprozessen) und Dr. Smolka (Neuroimaging Centre). In Pilotstudien werden
Störungen der kognitiven Kontrolle am Beispiel von Nikotinkonsumenten und pathologischen
Glücksspielern - als kontrovers diskutierte "nicht- stoffgebundene Abhängigkeit" - untersucht
(Dipl.-Psych. Kufeld, Dipl.-Psych. Kräplin). Weiterhin sind Projekte im BMBF- geförderten
Neuroimaging Centre in Vorbereitung, welche zusätzlich die neurobiologischen Korrelate
kognitiver Kontrollprozesse bei abhängigen Personen untersucht werden. Das übergeordnete Ziel
dieses Forschungsprogramms besteht darin, über ein besseres Verständnis der neurokognitiven
Vermittlungsmechanismen, die dem Einstieg in die Abhängigkeit oder dem Rückfall nach Abstinenz
zugrunde liegen, neue Ansatzpunkte für eine stärker individuell orientierte, wirksamere
Prävention und Therapie zu finden
Kompetenznetzwerk Nikotinabhängigkeit
Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss einzelner Forschungseinheiten der Technischern
Universität Dresden - Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie und Klinik und
Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum sowie des IFT Institut für Therapieforschung München (Prof. Bühringer, Prof. Wittchen, Dr. Hoch, PD Dr. Smolka, PD Dr.
Kraus, Dr. Kröger). Die einbezogenen Projekte umfassen den gesamten Bereich der Forschung zur
Nikotinabhängigkeit, von der ätiologischen Forschung und Epidemiologie einschließlich
Neuroimaging über die Präventions- und Therapieforschung, die Versorgungsforschung bis zur
Manualentwicklung für unterschiedliche Interventionsformen. Teil des Netzwerks ist die
Raucherambulanz (Dipl.-Psych. Kufeld, Dipl.-Psych. Kling), eine gemeinsame Initiative der
Professur für Suchtforschung, der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V. Die Rauchstoppkurse werden von
zertifizierten Kursleitern durchgeführt und basieren auf dem überarbeiteten "Rauchfrei-Programm"
des IFT Institut für Therapieforschung. Es ist in Deutschland das am weitesten verbreitete
psychologische Programm zur Nikotinentwöhnung mit nachgewiesener Wirksamkeit. (0351- 463- 39800; rauchstopp@tu-dresden.de) Forschungsvorhaben
im Rahmen der Raucherambulanz befassen sich mit der Effektivität des Programms, den Prädiktoren
der Tabakabstinenz (Dipl.-Psych. Kufeld), sowie mit den neuronalen Systemen im menschlichen
Gehirn, die die emotionalen, motivationalen und appetitregulierenden Wirkungen des Rauchens
vermitteln (PD Dr. Smolka, Dipl.-Psych. Kling).
Netzwerk Pathologisches Glücksspielen
2009 soll die bisher bestehende Zusammenarbeit verschiedener Forschungsgruppen an der Charité
Berlin (Prof. Heinz, Dr. Wrase) und der TU Dresden (Prof. Bühringer, Prof. Goschke,
Dipl.-Psych. Kräplin), in Wien (Prof. Fischer) und des IFT Institut für Therapieforschung in
München (PD Dr. Kraus) in einem Netzwerk enger koordiniert werden. Die Untersuchungen der
beteiligten Gruppen umfassen den gesamten Bereich der Forschung zur Ätiologie und Verlauf
der Störung, zur Prävention, Epidemiologie und Therapie.
European Postgraduate School for Addiction Research (ESADD)
Es besteht ein großer Bedarf qualitativ hoch stehender Forschung zu Substanzstörungen.
Demgegenüber wird die universitäre Ausbildung sowie die Ausbildung junger Wissenschaftler in
diesem Bereich in Europa stark vernachlässigt. Mit einer Förderung der Volkswagen- Stiftung
wird seit 2008 das Konzept für ein europaweit ausgeschriebenes Ausbildungsprogramm für
Doktoranden ausgearbeitet (Forberger, MA). Das erste zweijährige Pilotprogramm beginnt in März
2009 und umfasst unter anderen 6 Wochenkursen in Dresden unter Leitung führender Wissenschaftler
aus der Suchtforschung. (www.di-uni.de)
Entwicklung eines Landessuchthilfeplans für den Freistaat Sachsen
Dieses Projekt ist Teil der Zielsetzung der Professur wissenschaftliches Fachwissen für die
Verbesserung der Prävention und Behandlung in Sachsen zu nutzen. Die Erarbeitung des Plans für
das Sächsische Staatsministerium für Soziales erfolgt in Kooperation mit Dr. Schützwohl
(Arbeitsgruppe Versorgungsforschung, Entwicklung des Landespsychiatrieplans) und in Abstimmung
mit Fachleuten und zuständigen sächsischen Gremien (zum Beispiel Landesstelle gegen
Suchtgefahren, Landespsychiatriebeirat, Ärzte- und Psychotherapeutenkammer) (
Dipl.-Psych. Kufeld).
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